Die Geschichte Waldhilsbachs: ein Überblick

 

 

Die offizielle Geschichte Waldhilsbachs beginnt mit einem Dokument aus dem Jahr 1312, das alle Kriege und sonstigen geschichtlichen Katastrophen glücklicherweise überstanden hat und noch heute als wertvolles Fundstück im Generallandesarchiv in Karlsruhe zu bewundern ist. Dr. Günther Wüst, der sich momentan im Rahmen der Erstellung der Waldhilsbacher Ortschronik intensiv um die Waldhilsbacher Geschichte bemüht, hat diesen Text schon im Jahre 1990 in einer Abhandlung im Neckargemünder Jahrbuch übersetzt und gründlich analysiert. In diesem Dokument geht es im Wesentlichen um die Errichtung einer Ewigen Messe für Gaiberg und Waldhilsbach, profaner und moderner ausgedrückt, um die Finanzierung des Gottesdienstes bzw. des Pfarrers für beide Dörfer. „Wir, Offizial zu Wimpfen, urkunden im Sinne der Anwesenden öffentlich, daß Leute aus dem Dorf Gauberg und dem Dorf Hulsbach, deren Namen unten geschrieben stehen, in unserer Gegenwart sich verpflichtet haben, für eine ewige Messe in dem oben genannten Dorf Gauberg acht Malter Korn... beizutragen haben“. So heißt es in der oben genannten Übersetzung der historischen Quelle, aus der auf die Größe des mittelalterlichen Dorfes, auf seine Bevölkerung und die Anbauflächen und die Siedlungsstrukturen geschlossen werden kann. Bisher ging man davon aus, dass Waldhilsbach damals über zwei Siedlungskerne verfügte: einen entlang des heute nur noch bei Hochwasser sichtbaren "Massenbaches" ungefähr beim Gasthaus "Krone“, einen anderen bei der Einmündung der heutigen Schulstraße in die Heidelberger Straße.
Die neuen historischen Untersuchungen Dr. Wüsts, insbesondere das Auffinden neuer interessanter Dokumente haben aber ergeben, dass ein dritter Siedlungsschwerpunkt existierte. Dieser lag in der Nähe der Einmündung des heutigen Verbindungsweges in den Kohlackerweg. Mit großer Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass sich das Dorf mit damals etwa 75 Einwohnern aus diesen drei Siedlungskernen entwickelte.

Kath. St. JosefskircheWaldhilsbach, das von Gauangelloch bzw. von Bammental aus besiedelt wurde, wechselte mehrfach die Ortsherrschaft, bis es schließlich mit der Reformation zum kurpfälzischen Herrschaftsbereich gelangte.
Der Ort entwickelte sich weiter, die Bevölkerung vermehrte sich, die Fläche dehnte sich über den Forellenbach in westlicher Richtung aus. Über das harte Leben der Waldhilsbacher im Mittelalter wissen wir wenig. Sicher ist, dass unsere Vorfahren nicht nur Abgaben aufzubringen hatten, sondern als Bewohner eines Eigendorfes auch harte Frondienste leisten mußten.
Der Dreißigjährige Krieg brachte auch über Waldhilsbach, das seit der Reformation und mit der Zugehörigkeit zur Kurpfalz zum allergrößten Teil evangelisch war, viel Leid. Die Bevölkerung wurde so erheblich dezimiert, dass ein Großteil des Ackerlandes verödete. Nur einige wenige Waldhilsbacher überlebten diese epochale Katastrophe. Den Neuaufbau leisteten vor allem Zuwanderer von außen.

Die vorhandene Kapelle, deren Existenz durch die allerneuesten Forschungen Dr. Wüsts heute mit verlässlichen Dokumenten endgültig nachgewiesen ist,  wurde damals zerstört, die dazugehörige Glocke eingeschmolzen. Bis in die Fünfziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts mussten die Waldhilsbacher Christen warten, bis wieder Kirchenglocken im Neuapostolische KircheDorf läuteten. Die Bindung der christlichen Bevölkerung an Gaiberg, die mit der ersten offiziellen Erwähnung ihren Anfang nahm, blieb zumindest für die Evangelischen fast 700 Jahre bestehen, bis sie am Ende des Jahrtausends aus finanziellen Gründen aufgehoben wurde. Ab jetzt teilen sich die Waldhilsbacher Protestanten mit den Wiesenbachern einen Pfarrer. Eine Umstrukturierung, für die mancher Waldhilsbacher wenig Verständnis aufbringen konnte.
Nach einer kurzen Phase des Aufschwungs brachten im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Franzosen bei ihren Raubzügen großes Unheil vor allem über unsere Heimat. Zwei Mal lagerte der französische General Melac in der Nähe Waldhilsbachs. Jedes Mal wollte er Neckargemünd einnehmen, um von dort aus gegen Heidelberg vorzudringen. Der Chronist der Gaiberg-Waldhilsbacher Geschichte, der Pfarrer Ludwig Schmidt, berichtet 1901 über einen Gedenkstein im unteren Neckargemünder Stadtwald, der an diese schlimmen Ereignisse erinnert. Seine Inschrift lautete: „Melacspaß. 13./14. Februar und 5./6. August 1689“.

Evangelische ChristuskircheDie nun folgende Zeit des Friedens brachte für unsere Vorfahren schließlich in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die persönliche Freiheit, längst aber noch keinen ausreichenden Wohlstand. Ärmlich und kärglich fristeten die Waldhilsbacher ihr Leben noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts, nachdem längst die pfälzische Herrschaft abgelöst war und das Dorf im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses mit der gesamten Region dem Land Baden zugeschlagen worden war. Nun waren die Waldhilsbacher - ohne gefragt worden zu sein - nicht mehr kurpfälzisch, sondern badisch.

In den elenden Jahren um die Mitte des letzten Jahrhunderts ging es auch unseren Vorfahren so schlecht wie lange nicht mehr. Die Knappheit an bebaubarem Ackerland bei gleichzeitiger Bevölkerungszunahme sowie die gravierenden Missernten der Jahrhundertmitte führten zu Hunger und Elend gerade in Dörfern wie Waldhilsbach. Als äußerstes Mittel ließ das Dorf den letzten Gemeindewald roden und ermöglichte für den Erlös von 5000 Gulden jungen Menschen die Auswanderung nach Amerika „in der Hoffnung, in Amerika eine bessere Heimat und ein besseres Auskommen zu finden“, wie der Pfarrer Schmidt 1901 schreibt. Die Zahl der jungen Auswanderer, deren Spur sich in New York verliert, liegt - wie wir seit neuestem wissen - höher als bisher angenommen. Es waren um die 70 Menschen, die Waldhilsbach verließen. Einer davon kam übrigens wieder zurück.

Das Elend der Zeit wird auch deutlich in einem Kirchenvisitations-Bericht Pfarrer Manns, den Julius Schmidt um die Jahrhundertwende zitiert. Er beschreibt die Schinderei auf dem alten Weg von Neckargemünd nach Waldhilsbach: „Ich sehe sehr oft, wie meine armen Hilsbacher Bauern ihr Holz, ihre Erde (Hafnererde) und andere Erzeugnisse mit ihren Ochsen und Kühen zuerst etwa 200 Fuß hoch hinaufschleppen, dann aber die jähe Steige hinab 500 Fuß tief unter Anwendung von zwei Schleifträgern und den stärksten Sperrketten unter fortwährender Lebensgefahr für Menschen und Tiere, die auf den abschüssigen Felsenklippen hin und hergeworfen werden, erbärmlich und elend hinunterbringen; ich sehe, wie solche Fuhrwerke auf dem Rückwege kaum leer durch das abgemattete Vieh hinaufgezogen werden. Es ist ein Jammer.“

Panoramablick 2


Die materielle Situation in unserem Dorf besserte sich grundlegend erst mit dem Aufkommen der Industrie in benachbarten Zentren. Zug um Zug ging die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten zurück. Schon um die Jahrhundertwende pendelte fast die Hälfte der erwerbstätigen Waldhilsbacher nach Neckargemünd, nach Heidelberg oder gar nach Mannheim. Viele betrieben aber trotz anstrengender Arbeit, trotz langer Arbeitszeiten, trotz oft stundenlangen Marsch- oder Fahrzeiten die elterliche Landwirtschaft nebenher weiter.

Bis zum II. Weltkrieg hatte sich Waldhilsbach zum fast reinen Arbeiterdorf entwickelt. Heute betreibt nur noch eine Familie die Landwirtschaft als Haupterwerbsquelle. Die Feldfläche, die früher alle Bewohner ernährte und die bis zum letzten Quadratmeter genutzt wurde, liegt heute oft brach.

Schul- und Rathaus WaldhilsbachDer steigende Wohlstand machte sich auch auf der Ebene der gemeindlichen Infrastruktur bemerkbar. Schon 1912 konnte Waldhilsbach ein Schul- und Rathaus bauen, das die bisherigen Raumprobleme löste und das bis heute das beherrschende, schönste und funktionalste Gebäude des Dorfes ist.

Heute befindet sich in dem Haus, das flankiert ist von einer Mehrzweckhalle und von den in den Fünfziger Jahren erbauten Kirchen, die im Jahre 1987 wiedererrichtete Grundschule, deren Lehrer und Schüler voll Stolz auf ihr Schulhaus blicken. Außerdem befindet sich hier die Stadtteilverwaltung des seit 1974 nach Neckargemünd eingemeindeten Stadtteils Waldhilsbach. Hier tagt auch der Ortschaftsrat, der unter anderem auch für die Unterstützung des regen dörflichen Vereinslebens zuständig ist. Das Gemeinschaftsleben des Dorfes wird geprägt von einem aktiven Sportverein mit mehreren Abteilungen, dem DRK-Ortsverein, einer schlagkräftigen Stadtteilfeuerwehr, dem Verein der „Hilschbacher Kerweborscht“ für die gesellige Traditionspflege, dem Männergesangverein „Liederkranz“, und schließlich dem Jubelverein, dem Hohner-Akkordeon -Orchester. All diese Vereine leben von der Bereitschaft zur ehrenamtlichen und unentgeltlichen Mitarbeit. Und alle leisten Unbezahlbares für die Gemeinschaft, hier vor allem auch für die Kinder und Jugendlichen des Dorfes.

Ein kräftiges, gesundes, lebendiges und dynamisches Vereinsleben, zu welchem auch der Jubiläumsverein nach Kräften beiträgt, ist und bleibt eine wesentliche Voraussetzung der Zukunft unseres dörflichen Gemeinwesens. ^

Weitere Informationen rund um die Geschichte Waldhilsbachs können auch der Ortschronik von Herrn Dr. Wüst entnommen werden. Diese ist in der Ortsverwaltungsstelle Waldhilsbach erhältlich.

Quelle: Festschrift zum 30. Jubiläum Hohner-Akkordeon-Orchester Waldhilsbach e.V.
Text: Horst Linier, Bilder: Michael Lehmitz